Die 10 häufigsten Hundemythen und Fehlannahmen über Hunde – entlarvt
- Team @ Rescute

- 19. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Unser Verständnis von Verhalten und Biologie von Hunden wird oft durch hartnäckige Mythen und Fehlinformationen getrübt. Diese fest verankerten Glaubenssätze – vom Interpretieren eines einfachen Schwanzwedelns bis hin zur Einschätzung ihrer Gesundheit – sind nicht nur harmlose Folklore. Sie können unsere Trainingsmethoden, unsere Sicherheitsmaßnahmen und die Qualität der Versorgung, die wir unseren Hunden geben, erheblich beeinflussen.
Dieser Leitfaden soll Klarheit schaffen, indem er sich den 10 am weitesten verbreiteten Hundemythen widmet, die unter Hundehaltern und Hundeliebhabern kursieren. Wir schauen uns die wissenschaftlichen Fakten zu Kommunikation, Alterung, Sehen und körperlichen Bedürfnissen an. Durch das Aufklären dieser Irrtümer möchten wir dir das Wissen geben, das du brauchst, um eine tiefere, sicherere und respektvollere Beziehung zu deinem vierbeinigen Familienmitglied aufzubauen.
Inhaltsverzeichnis
Mythos: Ein wedelnder Schwanz bedeutet einen glücklichen Hund
Mythos: Der „schuldbewusste Blick“ bedeutet, dass sie wissen,
dass sie etwas falsch gemacht haben
Mythos: Knurren sollte bestraft werden
Mythos: Zerrspiele machen Hunde aggressiv
Mythos: Alte Hunde können nichts Neues mehr lernen
Mythos: Ein Hundejahr entspricht sieben Menschenjahren
Mythos: Hunde sehen nur schwarz-weiß
Mythos: Das Scheren eines Hundes mit Doppelfell kühlt ihn ab
Mythos: Alle Hunde sind natürliche Schwimmer
Mythos: Eine warme, trockene Nase bedeutet, dass der Hund krank ist
Schlussgedanken
1. Mythos: Ein wedelnder Schwanz bedeutet einen glücklichen Hund
Die Realität: Das ist eines der am weitesten verbreiteten Missverständnisse in der Hundesprache! Ein Schwanzwedeln ist lediglich ein Hinweis auf emotionale Erregung – das bedeutet, der Hund ist innerlich aktiviert und aufgeregt. Das kann Freude bedeuten, aber auch Nervosität, Unsicherheit oder sogar die Ankündigung von Aggression.
Die Richtung spielt eine Rolle: Ein leichtes Wedeln nach rechts wird eher mit positiven Gefühlen in Verbindung gebracht, während ein Wedeln nach links auf Vorsicht oder negative Gefühle hindeuten kann (wenn auch subtil). Entscheidend ist das Gesamtbild: Ist der Körper locker und weich oder steif und tief? Sind die Ohren entspannt oder angelegt? Komplexes Hundeverhalten zu verstehen bedeutet, den ganzen Körper zu betrachten.
2. Mythos: Der „schuldbewusste Blick“ bedeutet, dass sie wissen, dass sie etwas falsch gemacht haben
Die Realität: Die typische „Es tut mir leid“-Haltung – eingezogener Schwanz, gesenkter Kopf, zusammengekniffene Augen, abgewandter Blick – ist kein Zeichen moralischen Schuldbewusstseins. Hunde besitzen diese komplexe menschliche Emotion nicht. Sie zeigen Beschwichtigungssignale, um Konflikte zu entschärfen, wenn sie spüren, dass eine Person (du!) angespannt oder verärgert ist.
Sie reagieren also auf deinen Tonfall und deine Körpersprache im Moment, nicht auf eine Tat, die vielleicht eine Stunde zurückliegt. Um Verhalten richtig zu korrigieren, musst du sie im Moment des Fehlverhaltens erwischen.
3. Mythos: Knurren sollte bestraft werden
Die Realität: Knurren zu bestrafen ist gefährlich! Knurren ist das wichtigste Warnsignal eines Hundes – es bedeutet: „Ich bin unsicher, habe Angst oder brauche Abstand.“ Wenn du diese Warnung bestrafst, bringst du dem Hund bei, dass er nicht knurren darf.
Der Hund hört aber nicht auf, sich bedroht zu fühlen. Er lernt nur, die Warnung zu überspringen und direkt zur nächsten, viel gefährlicheren Verteidigungsstufe überzugehen: zum Beißen. Statt Strafe solltest du dankbar sein, dass der Hund kommuniziert, und dann die Ursache für sein Unbehagen beseitigen.
4. Mythos: Zerrspiele machen Hunde aggressiv
Die Realität: Dieses Spiel wird oft fälschlicherweise mit Aggression in Verbindung gebracht. Tatsächlich ist Zerrspiel – richtig ausgeführt – eine fantastische körperliche und mentale Auslastung und stärkt die Bindung.
Wichtig sind klare Regeln: Der Mensch startet und beendet das Spiel, der Hund muss das Spielzeug auf Kommando sofort auslassen, und Zähne dürfen nie Haut berühren. Diese Grenzen vermitteln Impulskontrolle und Respekt und befriedigen gleichzeitig den natürlichen Trieb des Hundes zu ziehen und zu halten.
5. Mythos: Man kann einem alten Hund keine neuen Tricks beibringen
Die Realität: Zum Glück ist dieser Mythos falsch! Hunde jeden Alters – auch Senioren – können lernen, weil sie immer durch Ressourcen motiviert werden (Futter, Spielzeug, Aufmerksamkeit). Neue Tricks oder Kommandos bieten sogar wertvolle geistige Stimulation und halten ältere Hunde mental fit.
Es kann mehr Geduld erfordern, da alte Gewohnheiten etabliert sind, aber mit konsequenter positiver Verstärkung kann jeder Hund lernen.
6. Mythos: Ein Hundejahr entspricht sieben Menschenjahren
Die Realität: Diese einfache Formel ist falsch. Hunde altern in den ersten Jahren viel schneller; ein einjähriger Hund entspricht eher einem Teenager oder jungen Erwachsenen.
Auch spielt die Größe eine große Rolle: Große Rassen altern schneller und leben kürzer, während kleine Rassen länger jung bleiben. Ein 10-jähriger Great Dane ist alt – ein 10-jähriger Chihuahua ist oft noch mittleren Alters.
7. Mythos: Hunde sehen nur schwarz-weiß
Die Realität: Dieser Mythos ist widerlegt! Hunde sind nicht vollständig farbenblind, sondern haben eine dichromatische Sicht. Sie sehen hauptsächlich Blau-, Gelb- und Grautöne.
Farben im Rot-Grün-Spektrum können sie kaum unterscheiden – ähnlich wie Menschen mit Rot-Grün-Schwäche. Deshalb sind blaue oder gelbe Spielzeuge im Gras viel sichtbarer als rote.
8. Mythos: Das Scheren eines Hundes mit Doppelfell kühlt ihn ab
Die Realität: Das Gegenteil ist der Fall – es ist oft schädlich. Das Doppelfell dient als Temperaturregulator: Die Unterwolle isoliert im Winter, aber auch im Sommer, indem sie verhindert, dass Hitze direkt auf die Haut trifft.
Wird das Fell abgeschoren, verliert der Hund diesen Schutz, bekommt leichter Sonnenbrand, ist hitzeanfälliger und das Fell kann dauerhaft geschädigt werden („Clipper Alopecia“).
9. Mythos: Alle Hunde sind natürliche Schwimmer
Die Realität: Viele Hunde können schwimmen, aber längst nicht alle. Bestimmte körperliche Merkmale machen schwimmen schwer oder gefährlich: kurze Beine (Dackel), breite schwere Brüste (Bulldoggen), kurze Schnauzen (Möpse, Boxer).
Solche Hunde haben Schwierigkeiten, den Kopf über Wasser zu halten. Immer vorsichtig sein, nie davon ausgehen, dass ein Hund schwimmen kann, und bei tiefem Wasser immer eine Schwimmweste verwenden.
10. Mythos: Eine warme, trockene Nase bedeutet einen kranken Hund
Die Realität: Die Temperatur oder Feuchtigkeit der Nase ist kein zuverlässiger Gesundheitsindikator. Eine trockene Nase ist völlig normal, besonders nach dem Schlafen. Auch Umwelteinflüsse wie Heizungsluft oder Sonne trocknen die Nase.
Entscheidend sind Verhaltensänderungen: Lethargie, Appetitlosigkeit, starkes Trinken, Erbrechen oder Durchfall.
Schlussgedanken
Verantwortungsvolle Hundehaltung bedeutet kontinuierliches Lernen – und die Bereitschaft, wissenschaftliche Fakten statt Mythen zu akzeptieren. Ein Schwanzwedeln ist nicht automatisch Freude, der „schuldbewusste Blick“ ist Beschwichtigung, und Knurren ist Kommunikation, kein Fehlverhalten.
Das größte Geschenk, das du deinem Hund machen kannst, ist ein aufmerksamer, informierter Umgang. Je besser du seine Körpersprache verstehst, desto sicherer, respektvoller und liebevoller wird eure Beziehung.


